Verfahrenstheorie

Zweck einer Verfahrenstheorie

Zweck einer Verfahrenstheorie ist die anwendungsorientierte und aktivierende Erforschung der prozeduralen Dimension von co- aktiver Problemlösung. Als transdisziplinäre Metatheorie versucht sie, die Vielfalt neuer Vorgehensweisen anhand eines plastischen, in sich schlüssigen und einfachen Grundmodells schnell ein- und zuordnen zu können.
Denn Möglichkeiten Verfahren systematisch zu beschreiben und zu positionieren gibt es prinzipiell viele, doch welche Beschreibungs- und Systematisierungsansätze sind langfristig und weitsichtig die besten? Eine Theorie über Verfahren ist von Nöten: Da es Sinn und Zweck von Theorien ist es, in die bunte und verwirrende Vielfalt an beobachtbaren Phänomenen eine systematische und funktionale Ordnung zu bringen, ist letztlich jede Theorie selbst nichts anderes, als ein diskursives Metaverfahren: Also eine stringente Erzählung, die Gedanken anleitet, wie sie Ordnung ins scheinbare Chaos, Erkenntnis in die rätselhafte Realität, bringen können. Eine gute Theorie weist meinem Verstehenswunsch einen sinnvollen Weg. Dies ist auch das Selbstverständnis einer Verfahrenstheorie.
Ein gemeinsames Merkmal der meisten neuen Verfahren ist, daß sie partizipativer sprich offener (z.B. gegenüber „Störungen“) sind. Was bedeutet dies für eine passende Theorie?
Diese sollte dem praktisch-partizipativen Charakter entsprechen. Denn – so eine hermeneutische Korrespondenzthese, die ich hier postuliere – der Charakter einer Theorie muß korrespondieren mit dem Geist seines Gegenstandes. Dies versucht die Verfahrenstheorie, deren Motto „verstehen, um gemeinsam zu verbessern“ ist. Die Verfahrenstheorie versteht sich damit als praktische Sozialwissenschaft: Als Vorgehens-, nicht Herangehensweise, als Wissenschaft des Gestaltens, nicht allein des Verstehens.

Funktionsdimensionen der Verfahrenstheorie

Auf drei Dimensionen kann die Verfahrenstheorie am Ende zu einem besseren Verständnis und besserer Anwendung behilflich sein:

  1. Intra: Zum einen verhilft die Verfahrenstheorie einem Verfahren zu seiner wahren Gestalt, indem sie Anstöße zur Optimierung des Ablaufes gibt, quasi dem fine- tuning. Dadurch kann die innere Struktur bereits bestehender Verfahren verbessert werden. Der Fokus liegt dabei auf der maßgeschneiderten Anpassung und Rekombination der einzusetzenden moderationstechnischen Methoden. Dies erfolgt durch eine von der Verfahrenstheorie angeleitete Methodenberatung. Die eingenommene Warte ist dabei die des  Moderators/Begleiters: Wie muß ich das Verfahren adaptieren, damit das Anliegen gelöst wird? Welche Methoden sollten dafür wo und wie eingesetzt werden? Wie muß der genaue Zeit-/Aktions- /Masterplan aussehen?
  2. Extra: Des Weiteren hilft die Verfahrenstheorie, das Anwendungsprofil eines Verfahrens klarer zu machen: Welches sind die typischen Anwendungsgebiete eines bestimmten Verfahrens? Wann kann dieses Verfahren eingesetzt werden? Dadurch ist es möglich, bestehende Verfahren besser zu vermarkten. Aus Sicht des Verfahrens- und  Prozeßberaters fragt die Theorie: Wann kann ich welches Verfahren anbieten? (Wenn dieser über ein breites Sortiment in seinem Verfahrens-Werkzeugkoffer verfügt, bzw. bei einem eingeschränkten Tool-Set:) Wo kann ich mein Verfahren anbieten?
  3. Inter: Schließlich unterstützt die Verfahrenstheorie darin, für jeden Fall das geeignete Verfahren finden: Welches Verfahren kann ich nehmen? Wo kann/muß ich suchen? Worauf muß ich dabei achten? Hier wird also nicht von einem bestehenden Verfahren ausgegangen, sondern aus Sicht eines bestehenden Anliegens nach dem optimalen Vorgehen gefragt. Die Perspektive des Kunden / Auftraggebers / Anliegensbesitzers ist hier zentral: Welches Verfahren kann mir helfen? Welche nicht? Und worauf muß ich bei der Durchführung besonders achten? Die so geforderte prozedurale Verfahrenstheorie mit ihren Kernelementen Taxonomie und Praxologie muß somit sehr praxistauglich, eingängig und einfach anwendbar sein. Die einzelnen Aufgaben, Anleitungen und Vorlagen zur Positionierung sind darum primär erzählerischen oder graphischen Typs. So soll es auch mit einem Minimum an technischem und zeitlichem Aufwand auskommen. Idealiter so, daß die Positionierung (Abgrenzung eines bestimmten Verfahrens) anhand einer beschlagenen Zugabteil- Fensterscheibe auf der Fahrt zwischen München und Augsburg durchgeführt werden könnte.

Inhalt der Verfahrenstheorie:

Taxonomieentwurf-RDF-k.pdf und Positionierung-GW.pdf

Verfahrenskatalog:

Wer Verfahren richtig entwickeln, auswählen, anpassen und anwenden will, der sollte zuerst wissen welche es gibt. Bei der verwirrenden Fülle, die es bereits gibt (alleine im consultativen Bereich über 100) ist der Aufbau eines systematischen Katalogs ein wichtiges Unterfagen, dem sich der Verbund stellt.
Ein Verfahrenskatalog soll wie ein Werkzeugschrank behilflich sein, die Arbeit zu erleichtern. Die Werkzeuge (Verfahren) sollen nicht wild herumfliegen, sondern gezielt weggeräumt und herausgeholt werden können, wann man sie gerade braucht. In welche Schublade dabei welches Verfahren aus welchen Gründen kommt, hängt allerdings von einer ausdifferenzierten Verfahrenstheorie ab. Denn was die Sichtung bestehender Systematisierungs- und Darstellungsansätzen verdeutlicht hat ist, wie wichtig es ist einen in sich schlüssigen und eingängigen, besonders aber praktischen und einfach anwendbaren Beschreibungs- und Systematisierungsansatz zu entwickeln. Der Katalogisierungsansatz von Procedere baut darum auf Beschreibungs-, Bewertungs- und Systematisierungskriterien aufbauen, die sich primär nach einer prozeßfunktionalen, also dem Sinn von Verfahren entlehnten, Logik richten.

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