Politiknikum: Polytechnikum für Governance

Impuls für die Gründung eines Polytechnikums für politisch-soziales Handwerkszeug 

Die Zeit ist reif für die Gründung eines Polytechnikums für politische und soziale Techniken der ko-operativen Problemlösung. Denn die Dynaxität – die Potenzierung von Komplexität hoch Dynamik – nimmt weltweit und in allen Branchen und Ebenen von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft zu.

Doch unsere politischen Techniken und deren Anwendung (Handwerkskunst) sind massiv veraltet und stumpf: Nicht daß es keine Techniken der gemeinsamen Zukunftsgestaltung gäbe – im Gegenteil! In den vergangen Jahren sind nicht hunderte, sondern tausende an solchen Prozeduren, Instrumenten und Techniken entwickelt worden und die dazu erforderlichen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Haltungen erprobt worden.

Doch sie wurden bisher weder systematisch erforscht, noch vermittelt.

Denn gerade die Fülle z.B. an einbeziehenden Aktivierungs-, Beteiligungs- und Entscheidungsverfah-ren, oder Schlichtungs-, Mediations- und Konfliktmoderationsprozeduren, plus der durch Internet und Handy&Smartphonetelephonie möglichen enormen Potenzierung an virtuellen und hybriden Kommunikations-, Vernetzungs- und Koordinierungsmöglichkeiten (Web 2.0, Social Media) stellt Prozeß und Projektverantwortliche immer mehr vor die Qual der Wahl:

  • Wann wie welches anwenden? Und wann gerade nicht? 
  • Wie diese kombinieren? Und wie jeweils anpassen und flexibel anwenden? 
  • Und welches sind die Wechselwirkungen – bestärkende und störende – zwischen diesen? 

Seit 2002 wurde darum in Zusammenarbeit mit diversen Forschungsprojekten /Verbünden und in Anwendungs-/Verfeinerungsphasen eine politische Verfahrenstheorie entwickelt, die sich als Anwendungswissenschaft dieser politisch-sozialen Zukunftstechniken versteht.

Handwerkszeug und Handwerkskunst und die für eine professionelle Vermittlung und Anwendung nötigen Fach- und Theoriekenntnisse liegen also vor – der akute und massenhafte Bedarf auch – nun geht es darum, diese Techniken zusammen mit den dahinterstehenden Prinzipien und Theorien der guten Anwendung, praxisorientiert zu vermitteln.

Genau dazu wird das Politiknikum gegründet. Die Fortsetzung vom Text finden Sie hier: Politiknikum.pdf

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Nachdem das Politiknikum-Konzept auf dem Herbsttreffen Anfang November 2011 in Berlin vorgestellt worden war, kamen Comments von Doug Gilbert: Comments on Politiknikum by Doug Gilbert

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Entwicklung neuer Formate der Governance­ver­mittlung

Zwei Formate werden im Procedere-Verbund  gegenwärtig entwickelt und vorangetrieben:

1. Sommer-Polytechnikum für Governance

Aufbauend auf dem autonomen Lernkurs prozedurale Politik, das mit Studenten der Universität Konstanz und der Zeppelin University Friedrichshafen entstanden ist, wurde von Montag, 27.08 bis Freitag, den 31.08.2012 das erste Sommer-Polytechnikum für Governance am Bodensee durchgeführt. Die Ankündigung dazu  Stattdessen.!. Sommer-Polytechnikum für Governance 27.08 – 31.08.2012 -kurz

Programm und Organisation lagen in der Hand des Lernkurses, dessen Arbeitsweise und Lerninhalte als Lernbuchwiki unter www.prozedurale-politik.de  festgehalten werden

Die Erkenntnisse sowohl inhaltlicher als auch didaktischerr Art werden nun übertragen in ein Curriculum mit dem Ziel ein festes Aus- und Fortbildungsprogramm dazu anzubieten. Verhandlungen mit der IPF Multiversity laufen. Mehr dazu demnächst, oder auf Anfrage unter fuhrmann@procedere.org.

2. Transformatorisches Governancejahr

In Anlehnung an die seit Jahrhunderten erfolgreiche duale Ausbildung aus  Berufsschulung und Lehrlingstätigkeit soll auch hier ein bundes-, ja europaweites Programm entwickelt werden, in dem interessierte Bürger unabhängig von Alter und Ausbildung über ein Jahr in verschiedenen Strängen ihre Kompetenzen beim Gestalten komplexer Prozesse der Zusammenarbeit in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft erwerben und gemeinwohlorientiert anwenden.

    • Strang 1: Governancecamp: Zwei Mal im Jahr findet für je 1-2 Wochen in wechselnden Städten Deutschlands (quasi als „Wanderuniversität“) eine Grundausbildung in den wichtigsten Kenntnissen, Werkzeugen und Fähigkeiten von Governance statt. Das Themenspektrum reicht dabei von intra-organisationeller Governance – über Cross-Sektorale Governance zwischen Akteuren und Institutionen aus Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft -bis hin zu gesellschaftlicher Governance der Einbeziehung und Beteiligung von Bürgern und institutionellen Stakeholdern in Meinungsbildungs- und Gesetzgebunsprozesse.
      Über die jeweilige Stadt verteilt würde zu diesen Themenfeldern ein Bildungsmarkt organisiert, wo unterschiedlichste Kompetenzträger anhand von regionalen Fällen und Projekten in Werkstätten Diese mit den Teilnehmern bearbeiten und so das erforderliche Wissen vermitteln und zugleich an einem konkreten Fall anwenden würden.
    • Strang 2: Tri-sektorales Lehrjahr(bestehend aus Projektarbeit, Reflekionstag, Kompetenztrainings):
      • Projektarbeit: Das cross-sektorale Zusammenarbeiten ist Voraussetzung für gelingende Governance und Politik im 21. Jahrhundert. Über ein Jahr werden darum die Lernenden jeweils dreimonatige Projektarbeit in den drei Sektoren (Behörden und Einrichtungen der öffentlichen Hand, Wirtschaftsunternehmen und NGOs und Vereinen der Zivilgesellschaft) durchlaufen. Vier Tage die Woche werden sie dabei in konkreten Projekten der jeweiligen Institutionen eingesetzt und erhalten dafür ein Grundgehalt von 400,00€ mtl..
      • Reflektionstag: Wie bei der dualen Ausbildung werden sie am fünften Tag einen lokal zusammengefassten Reflektion- und  Schulungstag haben. Während dieses Tages werden die Lernenden zum einen in Coachinggruppen ihre jeweiligen Projekte reflektieren und daraus ihren weiteren Lern- und Entwicklungsbedarf ableiten und unter Anleitung eines erfahrenen Prozeßberaters, Coachs oder Supervisors (Meister) das weitere Vorgehen in ihren Projekten besprechen.
      • Kompetenztrainings:Zudem sollte jeder Teilnehmer einmal monatlich an Kompetenztrainings zu bestimmten Governancefähigkeiten (angefangen bei Rhetorik und Kommunikation) teilnehmen. Je nach individuellem Entwicklungsportfolio wird die Auswahl, an welchen Trainings der jeweilige Lernende teilnimmt, gemeinsam mit seinem Mentor gewählt.

Zusammen gewährleisten diese Lernstränge, dass die Teilnehmer umfassende Erkenntnisse erwerben, wie Governance in- und zwischen Organisationen gestaltet werden kann.
Es ist aber nur sinnvoll, wenn es selbst durch Zusammenwirken von Akteuren aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Staat vorangetrieben und ausgebaut wird. In einem der nächsten Sezessionskränzchen wollen wir uns diesem visionären Format näher widmen.

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One Response to Politiknikum: Polytechnikum für Governance

  1. Raban D. Fuhrmann sagt:

    Nachdem das Konzept auf dem Herbsttreffen Anfang November 2011 in Berlin vorgestellt worden war, kam folgendes ausgearbeitetes Feedback von Doug Gilbert. Da der Text mit Grafiken versehen ist, wurde er als Link unterhalb des Beitrages eingefügt (siehe oben):

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